Rund um Vollgesichts-Schnorchelmasken kursieren viele Halbwahrheiten – mal gelten sie als gefährlich, mal als völlig unbedenklich. Dazwischen liegt eine einfache, messbare Größe, die in Produktbeschreibungen aber selten sichtbar wird: der CO₂-Wert.

Dieser Beitrag erklärt verständlich, was der CO₂-Wert beschreibt, wie er gemessen wird und wie man eine belegte Angabe von einem Werbeversprechen unterscheidet.

Warum Kohlendioxid bei einer Vollmaske überhaupt zum Thema wird

Bei jedem Ausatmen gibt der Körper Kohlendioxid ab, das eigentlich vollständig nach außen abgeführt werden müsste. In einer Vollgesichts-Schnorchelmaske sitzt zwischen Mund, Nase und Sichtfenster jedoch ein Luftraum, der sogenannte Totraum. Ist dieser Raum zu groß oder die Luftführung schlecht getrennt, verbleibt ein Teil der verbrauchten Luft in der Maske und wird erneut eingeatmet. Fachlich heißt dieser Effekt Rückatmung.

Steigt dadurch der Kohlendioxidgehalt im Blut, spricht die Medizin von Hyperkapnie. Sie äußert sich zunächst unauffällig durch Kopfdruck, ein flaues Gefühl, gesteigerte Atemfrequenz oder rasche Ermüdung. Diese Anzeichen werden im Wasser leicht übersehen. Dass dieser Mechanismus real und messbar ist, belegt eine Untersuchung an der University of Auckland (Grundemann et al., Diving and Hyperbaric Medicine 2023;53(4):313–320): Unter leichter Belastung mussten dort 45 % der Versuche mit Vollgesichtsmasken abgebrochen werden, weil das endtidale CO₂ die Sicherheitsschwelle überschritt, gegenüber 20 % beim klassischen Schnorchel. Rückatmung ließ sich bei allen Maskenträgern nachweisen.

Wie stark sich Rückatmung auswirkt, hängt außerdem vom Verhältnis zwischen Totraum und Atemzugvolumen ab. Bei Erwachsenen fällt der Totraum weniger ins Gewicht als bei Kindern, deren Atemzüge kleiner sind. Eine pädiatrische Fallserie (Trapani et al., Children 2025;12(9):1148) beschreibt genau diesen Zusammenhang: Drei Kinder unter sechs Jahren mussten nach kurzen Tauchgängen mit einer Vollgesichtsmaske notfallmedizinisch behandelt werden. Für die Praxis heißt das: Vollgesichtsmasken sind für sehr junge Kinder ungeeignet, Altersangaben der Hersteller sollten strikt eingehalten werden, und Kinder gehören im Wasser nie unbeaufsichtigt.

Entscheidend ist dabei die Bauart: Wie gut eine Maske Ein- und Ausatemluft trennt, unterscheidet sich je nach Konstruktion erheblich. Genau deshalb ist eine belegte Messung so aussagekräftig.

Was der CO₂-Wert konkret angibt

Der CO₂-Wert drückt in Prozent aus, welchen Anteil Kohlendioxid die Luft hat, die man tatsächlich beim Einatmen bekommt. Frische Außenluft enthält rund 0,04 % CO₂, ausgeatmete Luft etwa 4 %. Je höher der gemessene Wert einer Maske, desto mehr verbrauchte Luft mischt sich beim Atemzug hinzu. Der Wert ist damit ein direktes Maß dafür, wie gut eine Maske Frisch- und Abluft voneinander trennt.

Erreicht wird eine saubere Trennung durch getrennte Atemkanäle und Ventile, häufig als Zwei-Kammer-System bezeichnet. Frische Luft strömt dabei auf dem einen Weg zu Mund und Nase, die Ausatemluft verlässt die Maske auf einem anderen. Funktioniert dieses Prinzip, bleibt der CO₂-Wert niedrig. Ist es schlecht umgesetzt oder ein Ventil verschlissen, steigt er.

Wie der CO₂-Wert gemessen wird

Für Vollgesichts-Schnorchelmasken gibt es seit Oktober 2024 eine eigene Norm: BS 8647:2024 „Respiratory equipment – Full-face snorkel masks", herausgegeben vom British Standards Institution. Sie legt Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren speziell für diese Produktgruppe fest. Eine europäische EN-Norm für Vollgesichts-Schnorchelmasken existiert bislang nicht.

Weil BS 8647 noch jung ist, greifen Hersteller für die CO₂-Messung häufig auf ein etabliertes älteres Verfahren zurück: EN 136:1998, Klausel 7.18 („Kohlendioxidgehalt der Einatemluft"). Die Anforderung dort lautet, dass der CO₂-Gehalt der Einatemluft im Mittel 1 Volumenprozent nicht überschreiten darf. Gemessen wird unter definierten, wiederholbaren Bedingungen, üblicherweise in mehreren Durchgängen, aus denen der Mittelwert gebildet wird. Das glättet zufällige Schwankungen und macht das Ergebnis belastbarer. Weil die Bedingungen genormt sind, lassen sich Ergebnisse verschiedener Masken sinnvoll vergleichen – anders als bei bloßen Herstellerangaben ohne Prüfgrundlage.

Wichtig zu wissen: EN 136 ist eine Norm für Atemschutz-Vollmasken; Masken für den Unterwassereinsatz sind ausdrücklich nicht vom Anwendungsbereich erfasst. Ein Ergebnis „nach EN 136, Klausel 7.18" bedeutet also, dass ein anerkanntes Messverfahren angewendet wurde – nicht, dass die Maske eine für sie geltende Norm insgesamt erfüllt.

Welcher CO₂-Wert gilt als sicher?

Ein CO₂-Wert, der den Grenzwert von 1 Volumenprozent klar unterschreitet und unabhängig gemessen wurde, ist ein starkes Qualitätsmerkmal. Ein Sicherheitsversprechen ist er nicht: Gemessen wird unter Laborbedingungen an einem intakten Muster. Im Wasser kommen Faktoren hinzu, die kein Prüfbericht abbildet – schlechter Sitz, verschlissene Ventile, Anstrengung, Kälte, Abtauchen.

Die reine Zahl allein sagt außerdem wenig, solange nicht klar ist, wer wie gemessen hat. Für die Einordnung helfen vier Fragen:

  • Wer hat geprüft? Ein benanntes, unabhängiges Prüfinstitut ist aussagekräftiger als eine reine Eigenangabe des Herstellers.
  • Wonach wurde geprüft? Der Verweis auf ein konkretes Verfahren – BS 8647 oder EN 136 samt Klausel 7.18 – zeigt, dass eine nachvollziehbare Grundlage existiert.
  • Wie groß war der Prüfumfang? Ein Bericht über einen einzelnen Prüfpunkt ist keine Aussage über das gesamte Produkt und bezieht sich auf die eingereichten Muster, nicht automatisch auf die laufende Serie.
  • Werden die Zahlen offengelegt? Konkrete Messwerte sind ein stärkeres Qualitätssignal als ein bloßes Siegel ohne Werte.

Fehlt zu einer beworbenen Maske jede prüfbare Angabe, sollte das skeptisch machen, unabhängig davon, wie hochwertig das Produkt äußerlich wirkt.

Warum ein CE-Zeichen kein CO₂-Nachweis ist

Eine CE-Kennzeichnung wird häufig mit geprüfter Sicherheit verwechselt, sagt aber nichts über den CO₂-Wert aus. Das CE-Zeichen bestätigt lediglich, dass ein Produkt die grundsätzlich geltenden EU-Vorgaben erfüllt. Es ist kein Ergebnis einer spezifischen CO₂-Messung. Ein Modell kann also ein CE-Zeichen tragen und trotzdem nie auf seine Rückatmung hin geprüft worden sein.

Aussagekräftig ist deshalb erst die Kombination aus benanntem Prüfinstitut, ausgewiesenem Prüfverfahren, klarem Prüfumfang und offengelegten Messwerten. Genau daran lässt sich eine ernsthaft getestete Maske von einer erkennen, die nur mit vagen Sicherheitsversprechen wirbt.

Was unabhängig vom Modell gilt

Kein Messwert ersetzt umsichtiges Verhalten im Wasser: an der Oberfläche bleiben, die Belastung niedrig halten, bei Kopfschmerzen, Schwindel oder Kurzatmigkeit sofort aus dem Wasser gehen, nie allein schnorcheln und die Ventile vor jedem Einsatz auf Verschleiß prüfen. Wie sich die genannten Kriterien bei einem konkreten Modell darstellen, zeigt beispielhaft die Produktseite der Sea Ventura Pro.

Häufige Fragen zum CO₂-Wert bei Schnorchelmasken

Was ist ein guter CO₂-Wert bei einer Schnorchelmaske?

Gut ist ein Wert, der den Grenzwert von 1 Volumenprozent deutlich unterschreitet, den EN 136 in Klausel 7.18 für die Einatemluft vorgibt, und der von einem unabhängigen Labor gemessen wurde.

Welche Norm gilt für Vollgesichts-Schnorchelmasken?

BS 8647:2024 ist die erste Norm speziell für diese Produktgruppe. EN 136 gilt für Atemschutz-Vollmasken und erfasst Unterwasseranwendungen nicht; ihr Messverfahren nach Klausel 7.18 wird für die CO₂-Bestimmung aber häufig herangezogen.

Warum ist ein niedriger CO₂-Wert wichtig?

Weil ein hoher Anteil zurückgeatmeter Luft zu Hyperkapnie führen kann, mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Ein niedriger, geprüfter Wert bedeutet eine größere Sicherheitsreserve.

Reicht ein Prüfsiegel als Nachweis?

Ein Siegel allein nicht unbedingt. Aussagekräftig sind ein benanntes Prüfinstitut, ein genanntes Prüfverfahren, der Prüfumfang und offengelegte Messwerte.

Ist eine CE-Kennzeichnung ein Nachweis für den CO₂-Wert?

Nein. Das CE-Zeichen belegt die allgemeine Konformität mit EU-Vorgaben, nicht das Ergebnis einer CO₂-Messung. Beides sollte man nicht verwechseln.

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